50 Jahre Jugendförderung im Schwalm-Eder-Kreis: Gemeinsam junge Menschen stärken – gestern, heute und morgen
Im Jahr 2026 blickt die Jugendförderung auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück – und verbindet dieses Jubiläum bewusst nicht mit einem einzelnen Festakt, sondern mit einem vielfältigen Veranstaltungsjahr, das die Inhalte der Jugendförderung sowie die Menschen in den Mittelpunkt stellt, die sie seit Jahrzehnten prägen.
Sechs Veranstaltungen im Jubiläumsjahr
Statt einer zentralen Jubiläumsfeier finden über das gesamte Jahr 2026 verteilt sechs Veranstaltungen statt, die sich an unterschiedliche Zielgruppen und Kooperationspartner richten. Dabei verbinden die Veranstaltungen Bildungs-, Freizeit- und Demokratieangebote und greifen aktuelle gesellschaftliche Themen auf.
Geplant sind:
- das Festival „Toleranz in den Mai“ am 30. April 2026,
- „Stadt-Land-Spielt!“ am 19. und 20. September 2026,
- die Ausstellungseröffnung „WER WIR SIND“ am 24. September 2026,
- die Aktion „50 Jahre – 50 Preise“ im Oktober,
- ein Ehrenamtstag am 30. Oktober 2026 sowie
- die Demokratiekonferenz am 26. November 2026.
Die Veranstaltungen sollen Begegnung ermöglichen, Beteiligung fördern und sichtbar machen, wie vielfältig moderne Jugend- und Jugendbildungsarbeit heute ist.
„Wir wollen uns nicht selbst feiern“, betont das Team der Jugendförderung. „Im Mittelpunkt stehen die Kinder und Jugendlichen sowie die vielen ehrenamtlichen Teamerinnen und Teamer, die unsere Arbeit seit Jahren mit großem Engagement mittragen.“
Von Kreisjugendpflege und Jugendbildungswerk zur modernen Jugendförderung
Die heutige Jugendförderung entstand aus der früheren Kreisjugendpflege und dem Jugendbildungswerk. Beide Bereiche wurden im Jahr 2019 inhaltlich zusammengeführt und als gemeinsame Arbeitsgruppe neu aufgestellt. Gleichzeitig kamen die Themen Jugendberufsorientierung und Demokratieförderung als feste Bestandteile hinzu.
Die neue Bezeichnung „Jugendförderung“ steht dabei bewusst für ein modernes Selbstverständnis: Nicht „Pflege“, sondern Förderung, Begleitung, Beteiligung und Unterstützung junger Menschen stehen im Mittelpunkt.
Die Aufgaben verteilen sich heute flexibel auf die Jugendbildungsreferentinnen und Jugendbildungsreferenten und orientieren sich an aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sowie den Bedürfnissen junger Menschen.
Gesetzlicher Auftrag mit großer gesellschaftlicher Bedeutung
Jugendarbeit ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern ein gesetzlicher Auftrag nach dem Sozialgesetzbuch VIII. Dort heißt es in §11 SGB VIII:
„Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen.“
Die Jugendförderung des Schwalm-Eder-Kreises erfüllt diesen Auftrag sowohl zentral als auch dezentral in der Fläche des Landkreises. Neben der kreisweiten Arbeit der Jugendförderung leisten insgesamt 17 kommunale Ortsjugendpflegen einen wichtigen Beitrag vor Ort. Jede dieser ersten hauptamtlichen Stellen wird durch Personalkostenzuschüsse des Landkreises unterstützt.
„Damit wird sichergestellt, dass Jugendarbeit nicht nur in den größeren Städten, sondern im gesamten Flächenlandkreis erreichbar bleibt und Kinder sowie Jugendliche wohnortnah begleitet werden können. Die Angebote der Jugendförderung schaffen Freiräume, stärken soziale Kompetenzen, fördern Beteiligung und eröffnen jungen Menschen Perspektiven. Sie sind niedrigschwellig, inklusiv und orientieren sich an den Interessen und Lebensrealitäten junger Menschen“, so der Leiter des Jugendamtes, Björn Angres.
Fünf Jahrzehnte im Wandel gesellschaftlicher Themen
Die Jugendförderung hat sich in den vergangenen 50 Jahren immer wieder neuen Herausforderungen und gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt. Bereits 1976 beschloss der Kreistag die Satzung des Jugendbildungswerks mit dem Schwerpunkt der außerschulischen politischen Jugendbildung.
In den 1980er Jahren standen unter anderem Umweltwerkstätten, Kulturarbeit, Theaterfahrten und Bildungsreisen im Mittelpunkt. Die 1990er Jahre waren geprägt vom Ausbau geschlechtsdifferenzierter Jugendarbeit und besonders der Stärkung von Mädchen und jungen Frauen.
Mit Beginn der 2000er Jahre rückten digitale Medienarbeit und politische Bildungsprojekte stärker in den Fokus. Die geschlechtsdifferenzierte Jugendarbeit wurde auch auf Jungen und junge Männer erweitert. Ein Meilenstein war das Projekt „Gewalt geht nicht!“ im Jahr 2008. Seitdem nimmt die Demokratiearbeit einen besonders hohen Stellenwert innerhalb der Jugendförderung ein. Aus den ersten Projekten entwickelte sich über zahlreiche Bundesprogramme hinweg eine kontinuierliche und professionelle Demokratieförderung bis hin zur heutigen DEXT-Fachstelle.
Auch die Jugendberufshilfe wurde ab 2019 fest in die Jugendförderung integriert. Projekte wie die Jugendberufsagentur oder der Help Point U27 unterstützen junge Menschen beim Übergang von Schule und Beruf.
Die 2020er Jahre waren unter anderem durch die Corona-Pandemie geprägt. Digitale Workshops, neue Formen der Beteiligung, geschlechtersensible Jugendarbeit sowie aufsuchende Angebote in ländlichen Räumen gewannen an Bedeutung.
„Die Jugendförderung im Schwalm-Eder-Kreis bietet jungen Menschen heute vielfältige Unterstützung und Begleitung. Besonders wichtig ist dabei das gute Zusammen-spiel aller Angebote. Offene Kinder- und Jugendarbeit mit leicht zugänglichen Freizeit- und Gruppenangeboten schafft Räume für Gemeinschaft, soziales Lernen und persönliche Erfahrungen – gerade nach den Herausforderungen und Einschränkungen der Corona-Zeit. Ergänzt werden diese Angebote durch Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf. Die Jugendberufsagentur sowie das Projekt „Help Point“ helfen jungen Menschen dabei, Orientierung zu finden und ihren eigenen Weg zu gehen. Alle Angebote der Jugendförderung greifen eng ineinander und sind unkompliziert erreichbar. Ziel ist es, jeden jungen Menschen bestmöglich zu begleiten und keinen zu verlieren. Denn junge Menschen zu stärken, ist eine wichtige Aufgabe für unsere gesamte Gesellschaft. Dies dient auch dem auf uns zukommenden Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel zu begegnen“, betont Erster Kreisbeigeordneter Jürgen Kaufmann.
Ein besonderer und bis heute prägender Bestandteil der Arbeit sind zudem die traditionsreichen Dahme-Freizeiten, die bereits seit 68 Jahren stattfinden und Generationen von Kindern und Jugendlichen begleitet haben. Sie stehen bis heute bei der Altersgruppe der 11- bis 15-jährigen im Landkreis hoch im Kurs.
Demokratiebildung bleibt zentrale Zukunftsaufgabe
„Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen, wachsender Unsicherheiten und digitaler Herausforderungen ist die vielfältige und niederschwellige Arbeit der Jugendförderung wichtiger denn je. Die Demokratieförderung bleibt dabei ein zentraler Schwerpunkt. Junge Menschen sollen lernen, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch einzuordnen, mediale Desinformation zu erkennen und sich aktiv und respektvoll in demokratische Prozesse einzubringen“, so Landrat Winfried Becker.
Digitale Plattformen und soziale Medien prägen heute Meinungen, Identität und politische Wahrnehmung vieler Jugendlicher. Die Jugendförderung möchte deshalb Medienkompetenz, Beteiligung und demokratisches Denken weiter stärken.
Zugleich bleibt die klassische Freizeit- und Bildungsarbeit unverzichtbar. Freizeiten, Sport-, Kultur- und Kreativangebote schaffen Begegnung, fördern Gemeinschaft und erreichen häufig auch diejenigen Jugendlichen, die klassische Bildungsangebote nur schwer ansprechen.
Politischer Ausblick: Investitionen in Jugendarbeit sind Investitionen in die Zukunft
Mit Blick auf die kommenden Jahre sieht die Jugendförderung große Herausforderungen, aber auch eine enorme gesellschaftliche Verantwortung. Steigende finanzielle Belastungen, gesellschaftliche Krisen und wachsende soziale Spannungen dürften die Jugendarbeit künftig weiter unter Druck setzen.
Gleichzeitig wächst ihre Bedeutung: Junge Menschen brauchen verlässliche Orte, Orientierung, Beteiligungsmöglichkeiten und Menschen, die sie begleiten.
Die Verantwortlichen im Schwalm-Eder-Kreis werben deshalb dafür, Jugendarbeit weiterhin als zentrale Zukunftsaufgabe zu begreifen. Denn Investitionen in präventive Jugend- und Bildungsarbeit stärken langfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt und verhindern spätere soziale Folgekosten.
Dabei bleibt ein Leitsatz aktuell, der bereits beim 25-jährigen Jubiläum in einer Rede des damaligen Landrats hervorgehoben wurde:
„Es ist uns wichtig, dieses zeitgemäße und umfassende Angebot aufrecht zu erhalten, damit auch in Zukunft – wie es im Jugendbildungsförderungsgesetz heißt – junge Menschen befähigt werden, ihre persönlichen und sozialen Lebensbedingungen selbst zu erkennen, ihre gesellschaftlichen Interessen durchzusetzen und die Demokratisierung in allen Bereichen zu verwirklichen.“
50 Jahre Jugendförderung im Schwalm-Eder-Kreis stehen damit nicht nur für einen Rückblick auf erfolgreiche Arbeit, sondern vor allem für den Auftrag, auch in Zukunft junge Menschen zu stärken, Beteiligung zu ermöglichen und Demokratie aktiv zu fördern.
„Zu einem Rückblick in die Geschichte der Jugendförderung im Schwalm-Eder-Kreis gehört auch ein großes „Danke“ an all die Mitarbeitenden in der hauptamtlichen Jugend- und Jugendbildungsarbeit unter der Regie des Schwalm-Eder-Kreises zu richten. In den fünf Jahrzehnten sind zahlreiche innovative Konzepte entwickelt und umgesetzt worden. Einzelne davon besonders zu erwähnen würde aber zu kurz greifen und dem Umfang und der Fachlichkeit der pädagogischen Arbeit nicht genügen. Das gilt sowohl für einzelne Veranstaltungsformate, aber insbesondere auch für die ehemals Mitarbeitenden in der Jugend- und Jugendbildungsarbeit beim Schwalm-Eder-Kreis. Wir richten daher stellvertretend für alle den Dank an das aktuelle Team der Jugendförderung und freuen uns auf die kommenden Jahre, die sicher auch weiterhin von großartigen Veranstaltungen und innovativen Projekten geprägt sein werden“, so Jürgen Kaufmann gemeinsam mit Landrat Winfried Becker.
Das Team der Jugendförderung ist zu erreichen unter:
- Per E-Mail: jugendfoerderung@schwalm-eder-kreis.de
- Telefon: 05681-775 5175
- Homepage: https://www.schwalm-eder-kreis.de/Jugend-Familie-und-Soziales-1/Demokratiefoerderung.htm