„Wegraine am besten in Abschnitten Mähen“
„Wegraine am besten in Abschnitten Mähen“
Der Landschaftspflegeverband Schwalm-Eder e.V. (LPV), der Regionalbauernverband Kurhessen e.V. und die Untere Naturschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises bitten um rücksichtsvolles Vorgehen bei der Mahd von Weg- und Feldrainen während der Brut- und Setzzeit.
„In unseren Weg- und Feldsäumen ist gerade mehr los, als wir auf den ersten Blick wahrnehmen – nicht nur heimische Insekten, sondern auch viele Feld- und Wiesenvögel oder Niederwild profitieren von strukturreichen Feldsäumen“, erklärt Franziska Mehlhorn, Geschäftsführerin des LPV. Vielen Tier- und Pflanzenarten dienen die Wegraine, Grabenböschungen und Hecken als Rückzugsorte. Ob als Fortpflanzungsstätte, Versteck oder Nahrungsquelle leisten diese Nebenflächen einen zunehmend wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft. Ökologisch sinnvoll gepflegt dienen sie dabei nicht nur der Vernetzung von Lebensräumen, sondern auch der Abmilderung von Folgen des Klimawandels, zum Beispiel bei Starkregenereignissen.
„Keine Pauschallösungen - Abschnittweise Mahd als bester Kompromiss“
Wünschenswert bei der Pflege sei eine maximal einmalige Mahd der Feldraine pro Jahr im Frühjahr, ab Mitte Juli oder erst im Herbst – bestenfalls in versetzten und mit mehrjährigen Abschnitten. Das erhöhe die Überlebenswahrscheinlichkeit der in Pflanzenstengeln überwinternden Insekten und verbessere Nahrungsangebot und Deckung über die Brut- und Setzzeit. „Eine Pauschallösung gibt es nicht – wir empfehlen daher in zeitlich versetzten Abschnitten zu mähen“, erläutert Mehlhorn und ergänzt: „Eine Mahd ab Mitte Juli vermeidet rechtliche Konflikte wie die Entnahme oder Beschädigung von Vogelnestern, bietet aber wiederum Konfliktpotenzial mit der Eiablage einiger Schmetterlinge, wie dem Tagpfauenauge.“
Auf Mulchen sollte dabei wo immer möglich verzichtet und das Schnittgut nach wenigen Tagen abgefahren werden. Ein geeignetes Doppelmessermähwerk für eine tierschonende Mahd könne seit Sommer 2025 über den Bodenverband Schwalm-Eder oder den LPV geliehen werden.
„Rechtliche Aspekte beachten“
Neben natur- und artenschutzrechtlichen Aspekten sollten bei der Pflege und Nutzung von Weg- und Feldrainen weitere rechtliche Grundlagen beachtet werden. So sind sie in der Regel nicht Teil der landwirtschaftlichen Produktionsflächen sondern Teil der kommunalen Wegeparzellen. Die Ausbringung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in Feldrainen muss daher ebenso vermieden werden wie anderweitige langfristige Beeinträchtigungen von Weg- und Feldrainen.
Im Hinblick auf die verbreitete Sorge vor der Ausbreitung von Krankheitserregern oder unerwünschten Gräsern informiert der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH): „Eine professionelle, am tatsächlichen Bedarf orientierte Feldrandpflege weiß Probleme in den Kulturen zu verhindern und Nützlinge zu fördern. Zudem spielen ackerbauliche Maßnahmen meist eine größere Rolle.“ Für die Landwirtschaft stellt der LLH auf seiner Homepage eine praktikable und naturfreundliche Anleitung zur Verfügung: www.llh.hessen.de/saumpflege
„Einbindung von Landwirtschaft und Bevölkerung wichtig“
Zeitlich versetzte Mahdtermine oder das bewusste „Stehen lassen“ einzelner überjähriger Abschnitte bieten nach Ansicht des LPV die beste Chance eine strukturreiche Gestaltung ganzer Feldwege mit relativ geringem Aufwand umzusetzen. Ein solches Vorgehen ermögliche auch das Freihalten sensibler Kreuzungsbereiche zur Gewährleistung der Verkehrssicherung und schaffe Ausweichmöglichkeiten bei Begegnungen zwischen Verkehr und Freizeitnutzung. Besonders sinnvoll sei auch die frühzeitige Einbindung angrenzender Bewirtschafter und die Information der lokalen Bevölkerung über den Hintergrund der angepassten Pflege sei dabei sehr wichtig, um gemeinsam umsetzbare Lösungen zu finden, Akzeptanz zu schaffen und letztlich die Pflege durchzuführen, so Mehlhorn.
Die Arbeit des LPV wird gefördert durch das Land Hessen.
Weitere Informationen zum LPV und der Bedeutung von Wegsäumen finden Sie auf unserer Website unter:www.lpv-schwalm-eder.de